„Hier lebt die musikalische Gemeinschaft“ – Gespräch mit Prof. Saar Berger zur elften Auflage des Positively Brass & Percussion Symposiums

Von Adrian Brenneisen

Vom 1. bis 4. Oktober verwandelt sich die Hochschule für Musik Trossingen wieder in einen Klangraum für Blechbläser:innen und Schlagwerk: Zum elften Mal findet das Positively Brass & Percussion Symposium statt. Das Programm ist bunt und prall gefüllt mit Meisterkursen, Workshops, einem Gala- und Matinéekonzert sowie dem alle zwei Jahre stattfindenden Nachwuchswettbewerb. Rund einhundert Teilnehmerinnen und Teilnehmer, etwa zur Hälfte Trossinger Studierende, zur Hälfte Gäste von auswärts, werden erwartet – sogar aus Ungarn reist eine Gruppe junger, musikbegeisterter Menschen an.

Im Vorfeld haben wir mit Prof. Saar Berger gesprochen, Hornprofessor an der HfM Trossingen und seit 2019 mittendrin im Geschehen des Positively Brass & Percussion Symposiums. Ein Wort fiel in dem Gespräch immer wieder auf – und es passt vielleicht besser als jede Programmankündigung: musikalische Gemeinschaft.

Das Symposium hat in Trossingen mittlerweile Tradition – zum elften Mal veranstaltet Euer Institut das ganze mittlerweile. Was ist das Erfolgsrezept? Warum funktioniert das ausgerechnet hier in Trossingen?

Familie, Zusammenarbeit, Kollegium, tolle Studierende – und vor allem das, was ich musikalische Gemeinschaft nennen würde. Trossingen ist genau der richtige Ort, um das zu ermöglichen. Wir haben die volle Unterstützung der Hochschulleitung, ein Kollegium, das mitdenkt, und die nötigen Räumlichkeiten. Doch auch mit diesen sehr guten Voraussetzungen: Ohne die große Leidenschaft, mit der wir hinter der Sache stehen, wäre ein solch großes Event in Trossingen nicht möglich. Denn das Symposium ist nicht die Idee einer Person. Wir alle wollen es – die Kolleginnen und Kollegen ebenso wie die Studierenden. Wenn ein Ensemble zusammen musiziert, gemeinsame Phrasen bildet, am musikalischen Konzept feilt, fragt man sich ständig: Was machen wir, was wollt ihr, was kann besser sein? Genau so arbeiten wir das ganze Jahr über zusammen. Dieser Austausch ist der Grund, warum das Symposium und das Institut in Trossingen so stark sind.

Wer kommt denn da eigentlich nach Trossingen?

Saar Berger: Mittlerweile ein internationales Publikum – das hat sich herumgesprochen. Das Symposium ist auch eine Visitenkarte der Hochschule: Viele, die hierherkommen, interessieren sich für ein Studium, und manche stehen später tatsächlich bei der Aufnahmeprüfung. Ein schöner Nebeneffekt.

Führen Sie uns einmal durch die kommenden Tage. Wie beginnt das Symposium, wie endet es?

Am 1. Oktober begrüßen wir alle im Konzertsaal – Dozentinnen und Dozenten, Ausstellerinnen und Aussteller, interne und externe Studierende. Danach starten dann auch schon die Meisterkurse, das Herzstück des Symposiums. Und wir machen bewusst alles doppelt: Neben der Trossinger Fakultät unterrichten in jedem Fach – Trompete, Horn, Posaune, Schlagzeug – auch externe Dozierende. So schaffen wir es, allen Teilnehmer:innen möglichst viele Impulse und Perspektiven zu bieten. Genau dieser Austausch ist es, der alle weiterbringt.

Dazu kommen noch Basic-Workshops, mit denen wir gemeinsam in den Tag starten: Body Percussion und Yoga mit Bausteinen zu Atemtechnik und Körperwahrnehmung – das ist alles extrem wichtig, um gut Musik machen zu könen. In der Aula und in den umliegenden Räumen gibt es zudem eine Ausstellung mit Aussteller:innen aus Instrumentenbau und Notenhandel. Das ist eine weitere wichtige Facette für den gemeinsamen Austausch hier vor Ort.

Was ist denn Ihr persönliches Highlight des Symposiums?

Oh, das ist aber schwierig (lacht) Alles, was ich eben aufgezählt habe ist eigentlich schon ein Highlight für mich… Besonders ist aber natürlich das Gala-Konzert mit Seraph Brass – ein Frauenblechbläserquintett aus den USA, das für mich stellvertretend für ein wichtiges Anliegen in unserer Musikszene steht: Für die Balance im Blechbläserwesen zu kämpfen, das liegt mir am Herzen. Das Ensemble war schon für das letzte Jahr eingeladen, leider kam der Besuch damals allerdings nicht zustande. Dieses Jahr versuchen wir es nochmal, und umso größer ist die Vorfreude. Ich kenne die Trompeterin Mary Elizabeth Bowden sehr gut, unter anderem von Meisterkursen in Finnland, sie ist eine fantastische Musikerin. Am Tag vor dem Gala-Konzert geben Seraph Brass tagsüber Meisterkurse in allen Blechfächern – Trompete, Horn, Posaune sowie Tuba/tiefes Blech und Kammermusik –, ein zusätzlicher Höhepunkt für alle Teilnehmenden. Und das Konzert selbst ist eine bewährte Kollaboration: Seit elf Jahren arbeiten wir bei diesem Festival mit der Stadt Trossingen zusammen, gemeinsam getragen und gemeinsam finanziert, weshalb das Konzert auch im Ernst-Hohner-Konzerthaus stattfinden wird.

Sie haben den Nachwuchswettbewerb erwähnt: Der findet dieses Jahr ja auch wieder statt.

Ja, alle zwei Jahre – und für mich ist das mehr als ein Highlight, das ist mittlerweile ein wichtiges Fundament des Symposiums. Wir öffnen die Tür für junge Menschen zwischen 13 und Anfang 20, die vielleicht später Bachelor, Master oder ein Lehramt studieren wollen oder einfach eine andere Meinung, ein anderes Ohr suchen. Nach einer Videorunde folgt die Präsenzrunde. Das Niveau ist wirklich hoch – vor wenigen Jahren hat ein 14-jähriger Trompeter den ersten Preis gewonnen, das hat uns fasziniert. Und dass auch Studierende anderer Hochschulen zu uns kommen, zeigt: Wir haben in Trossingen etwas Besonderes wachsen lassen, das überregional und sogar international auf sich aufmerksam macht. Der Vorsitzende der Wettbewerbsjury ist Ulrich Köbl vom Förderverein Blechbläsernachwuchs – ein unglaublicher Mensch. Er ist nicht nur Juryvorsitzender und Notenspezialist, sondern versorgt unsere Teilnehmer:innen am 2. und 3. Oktober mit Kulinarik: belegte Brötchen, Salate, Veganes.

Wer steckt denn nun hinter diesem Riesenprojekt, das muss ja ein großes Team sein, oder?

Ja, absolut! Zunächst einmal dürfen auch meine Vorgänger und Kollegen nicht unerwähnt bleiben, die das Institut und das Symposium ins Leben gerufen haben – Wolfgang Guggenberger, Szabolcs Zempléni, Franz Lang und allen anderen, die damals die Idee zu diesem Projekt hatten. Ich habe von ihnen gelernt, wie so etwas laufen sollte, und versuche nun mit meinen neuen Kolleg:innen aus der Fachgruppe (hier hilft jeder mit!), das Konzept weiterzuentwickeln, damit es so stark bleibt. Ebenso gilt mein Dank der Verwaltung und dem Rektorat – ohne deren Unterstützung in Finanzierung, Räumlichkeiten und Planung wäre ein Festival in diesem Format nicht denkbar. Das ist ein Projekt von allen: Hochschule und Stadt, Lehrende und Studierende.

Und es geht weiter, die nächsten Jahre?

Klar! Es ist unglaublich viel Organisation, mein Kopf ist wochenlang voll – Plakate, Räume, Aussteller, Finanzierung. Aber das ist Leidenschaft, und Leidenschaft gibt Energie zurück. Beim Unterrichten gibst du alles aus deinem Herzen und deinem Kopf – und du bekommst es zurück, mit einem Klang, mit einer Phrase, mit einem Lächeln im Gesicht der Studierenden. Das ist die musikalische Gemeinschaft, von der ich spreche. Auch die Aussteller sagen immer: Wir möchten wiederkommen, weil hier die Atmosphäre das Schönste ist, das wir kennen. Genau dafür machen wir das – und dafür bin ich jeden Tag dankbar.

Das Gespräch führte Adrian Brenneisen. Die Antworten wurden für die Veröffentlichung redaktionell bearbeitet.

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