5 Fragen – viele Antworten: Gespräch zur neuen Publikation »klang mensch-zentriert gestalten«

Von Adrian Brenneisen

Am Donnerstag, 22.10.2026 stellen Prof. Dr. Christina Zenk und Ass. Prof. Dr. Mercé Bosch gemeinsam den von ihnen herausgegebenen Sammelband „klang menschzentriert gestalten“ in der Kleinen Aula der Hochschule für Musik vor. In der Publikation finden sich Praxisbeispiele und Forschungsperspektiven der musikbezogenen Designtheorie sowie der inklusiven Musikpädagogik und -vermittlung. Der Band zeigt auf zugängliche Art und Weise, wie spannend, herausfordernd und bereichernd menschzentrierte Gestaltung mit Klang und Musik sein kann.

Vorab konnten wir mit den beiden Herausgeberinnen sprechen.

KuKT: Ihre Publikation trägt den Titel»klang mensch-zentriert gestalten« – allein schon das öffnet viele Deutungsräume. Wovon handelt das Buch?

Zenk: Das ist gar nicht so einfach zu beantworten, weil es ja verschiedene Abschnitte im Buch gibt. Aber zentral ist natürlich die Frage, wie man Klänge in all ihren Facetten gestalten kann, also von Musik bis Sounds, so dass Menschen einen Zugang zur Musik, beziehungsweise durch Musik einen Zugang zum Leben finden können.

Bosch: Das Buch vereint die Arbeiten vieler Kolleginnen und ehemaliger Studierender der Hochschule für Musik Trossingen. Im Mittelpunkt der gesammelten Projekte steht, bewusst oder unbewusst, dieser inklusive Ansatz: Wie kann ich Musik den Menschen auf eine Weise näherbringen, die möglichst viele genießen können. Das heißt, ich muss nicht nur fragen, wie ich etwas gestalte, sondern auch, wie Musik rezipiert wird. Musik soll am Ende nicht nur eine schöne, sondern eine zugängliche, manchmal sogar partizipative Erfahrung sein, und zwar für Mitmusizierende und für Zuhörende.

Zenk: Aus meiner persönlichen Sicht ist das Buch auch eine Antwort auf meine Professur [«Musikbezogene Designtheorie im Kontext digitaler Medien», Anm. der Redaktion] – eine Denomination, die es in dieser Form, soweit ich weiß, in Deutschland kein zweites Mal gibt. Ich wollte es bewusst zum Herbst hin veröffentlichen, weil in den über die letzten Jahre weiterentwickelten und nun neu beginnenden Studiengängen Bachelor Musikdesign und Master Audio Experience Design Forschung von Anfang an verankert sein wird; das Buch liefert dafür einen Einstieg und insbesondere für die Forschung durch Design eine Roadmap. 

KuKT: Der Band ist also ein Gemeinschaftprojekt, dessen Fäden bei Ihnen beiden zusammenlaufen. Wie war hierbei der Entstehungsprozess?

Zenk: Ich erinnere mich sehr gerne daran. Mercé und ich saßen im Jahr 2024 bei einer Berufungskommission nebeneinander und stellten in einer Pause fest: Es gibt so viele tolle Projekte an unserer Hochschule, die im Kern »menschzentrierte Klanggestaltung« tragen.– sollten wir die nicht in einem Buch zusammenfassen? Es war uns ein Anliegen, diesen Projekten eine Sichtbarkeit zu geben und sie gleichzeitig vor dem Hintergrund unseren eigenen Perspektiven zu reflektieren. Damals hatte ich bereits an einem Buch zu einer »musikbezogenen Designtheorie« gearbeitet. Die Vielfalt dieser Projekte war auch in meinem eigenen Forschungs- und Schreibprozess von großem Wert.

Bosch: Ich durfte diese Entwicklungen in den letzten vier Jahren als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich Musikpädagogik ein bisschen von der Peripherie aus beobachten. Ich hatte das große Glück, in manchen Projekten mitwirken zu können – teils als Beobachterin aus musikpädagogischer Perspektive. Ich habe mich damals gefragt, ob den Kolleginnen überhaupt bewusst war, wie viel sie in Richtung inklusiver Musikpädagogik entwickelt hatten: Im Mittelpunkt stand zwar beispielsweise Musikdesign, aber Ansätze, Prämissen und Durchführung entsprachen eins zu eins dem, was Autorinnen der inklusiven Musikdidaktik in den letzten Jahren geschrieben haben – inklusive Musikpädagogik wurde dort faktisch gedacht, entwickelt und implementiert. Das Buch ist damit eine Bereicherung für beide Disziplinen.

Programm der Buchvorstellung

in der Kleinen Aula der hfm Trossingen, 22. Oktober 2026

17:00 Uhr
Einlass und Austauschforum
17:45 Uhr
Ausstellungseröffnung und Rundgang
> Andreas Brand Musiklusion und Schulgong
> Alec Dull | FaceDance
> Prof. Dr. Norbert Schnell | Tischauflage Kokea-Board
> Peter Wehmann | HörSeh
18:45 Uhr
  Umbaupause
19.00 Uhr
  Buchvorstellung
> Musikbeitrag Clockwork Dialogue von Emre Nurbeyler (2026) für Schlagwerk
und Elektro-mechanik, Hendrick Späth (Schlagzeug)
> Begrüßung, Rektor Prof. Christian Fischer
> Vortrag, Prof. Dr. Christina Zenk und Ass. Prof.

Dr. Mercé Bosch Sanfélix
20.15 Uhr Ausklang

KuKT: Konkret gefragt: Für wen ist das Buch gedacht?

Zenk: Es erscheint in der Reihe »Theorie und Praxis der Musikvermittlung«, herausgegeben von Alexander Cvetko, Professor für Musikpädagogik in Bremen und ehemaliger Trossinger Kollege, und Benjamin Eibach, Professor für Erziehungswissenschaft mit Schwerpunkt Didaktik des Fachs Musik in Hamburg. Es richtet sich also zunächst an die wissenschaftliche Community. Zugleich werde ich das Buch auf jeden Fall stark in meinen Unterricht einbinden und hoffe, weiter daran arbeiten zu können. Die Modelle und Handreichungen für Studierende sind aus den Projekten abgeleitet – jetzt müssen sie sich in der Praxis bewähren. Insbesondere »Research-Through-Design« ist ein vieldiskutierter Forschungsansatz innerhalb der Designwissenschaft; ich bin gespannt, wie er sich in Projekten der Studierenden realisert und anwenden lässt.

KuKT: Sie wirken beide in der Hochschullehre – gerade für Außenstehende kann dieses Betätigungsfeld sehr abstrakt sein. Wie würden Sie Kindern Ihren Arbeitsalltag beschreiben, und inwiefern hat dieses Buch damit zu tun?

Zenk: Das ist eine sehr schöne Frage, auch wenn sie sich nicht ad hoc beantworten lässt. Vielleicht so: Wir sprechen mit Menschen – in unserem Fall Studierenden – über Musik in all ihren Facetten.

Bosch: Durch unsere beiden Schwerpunkte bringen wir Methoden, Ressourcen und Möglichkeiten dafür ein, wie man Musik den Menschen auf eine zugängliche Art näherbringt und gestaltet.

Zenk: Und wenn wir abends nach Hause kommen, setzen wir uns hin, lesen Bücher über diese Themen und schreiben über das, was wir im Unterricht tun und in den Büchern lesen – wir verschriftlichen es. Das Buch ist ein Ergebnis dieser Arbeit.

KuKT: Am 22. Oktober findet die Buchvorstellung an der Musikhochschule Trossingen in der Kleinen Aula statt. Was erwartet die Besucher:innen?

Zenk: Zunächst wird es eine kleine Ausstellung geben: Einige der Autor:innen haben zugesagt, ihre Projekte dort vorzustellen – man kann die Projekte also tatsächlich hören. In einem Buch muss man das Klangliche sprachlich vermitteln; an dem Abend kann man stattdessen direkt in die Klangwelten der Praxisbeiträge einsteigen und mit den Kolleginnen und Kollegen über ihre Projekte sprechen. Im zweiten Teil geben wir dann einen Einblick in unsere eigenen Kapitel.

Bosch: Ganz wichtig war uns, dass es keine trockene Präsentation wird – dass nicht nur über Musik gesprochen, sondern dass Musik erfahren und erlebt wird. Deshalb gibt es auch musikalische Beiträge. Wer die Projekte der Kolleginnen gesehen hat, versteht danach auch sofort, warum es wichtig war, sie aus einer inklusions- und musikdesign-theoretischen Perspektive zu analysieren.

Eine digitaler Stream ist geplant; den Link finden Sie am Ende der Seite.

Der Sammelband «klang menschzentriert gestalten. Praxisbeispiele und Forschungsperspektiven der musikbezogenen Designtheorie und der inklusiven Musikpädagogik und -vermittlung» ist in der Reihe «Theorie und Praxis der Musikvermittlung» im LIT-Verlag erschienen und hat 380 Seiten (ISBN: 978-3-643-15897-0; Link zur Verlagsseite).

Der Stream beginnt um 17:45 Uhr.

Meeting-ID: 632 4042 5070

Kenncode: 78647

Beitreten – So geht’s

https://eu01web.zoom.us/meetings/63240425070/invitations?signature=yR2IXvmygz8E_16aGm_okqmsMlpAoTHrNBLfpe6s8wM

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