
Schon als Kind wollte Elke Reinauer Schriftstellerin werden. Heute verbindet die in Trossingen aufgewachsene Autorin ihre Erfahrungen aus Schauspiel, Journalismus und kreativem Schreiben zu Geschichten, die von besonderen Orten und der Begegnung unterschiedlicher Kulturen leben. Für ihren Roman „Rote Makalani“ führte sie ihre Inspiration immer wieder nach Namibia. Im Gespräch erzählt sie, warum Schreiben für sie bis heute „Träumen auf Papier“ bedeutet, was sie an Kanada fasziniert und weshalb ihr die Ideen für neue Geschichten nicht ausgehen.
Sie sind in Trossingen aufgewachsen und wollten schon als Kind Schriftstellerin werden. Was hat Sie damals am Schreiben so fasziniert, und was davon ist bis heute geblieben?
Beim Schreiben tauche ich in eine andere Welt ein. Als Kind schrieb ich Cowboy-Geschichten, inspiriert von den Karl-May-Büchern. Als Teenager folgte ein Roman, der in Kanada spielt. Als ich als Erwachsene zum ersten Mal in den Osten Kanadas reiste, sah es dort genau so aus wie in meiner Fantasie. Geblieben ist das Abtauchen: Beim Bücherschreiben kann ich gewissermassen viele Leben leben. Schreiben ist für mich bis heute Träumen auf Papier.
Sie haben Schauspiel studiert, als Journalistin gearbeitet und später kreatives Schreiben in Kanada studiert. Was aus diesen ganz unterschiedlichen Stationen hilft Ihnen heute beim Schreiben am meisten?
Vom Schauspiel profitiere ich vor allem bei der Arbeit an meinen Figuren. Schreibend schlüpfe ich ja auch in eine Rolle, nur eben auf dem Papier statt auf der Bühne. Durch die vielen Theaterstücke, die ich gelesen habe, habe ich zudem ein gutes Gespür für Dramaturgie bekommen. Und was ich im Sprechunterricht gelernt habe, kommt mir heute bei meinen Lesungen zugute. Kanada wiederum ist für mich eine unerschöpfliche Inspirationsquelle: die Wildnis im Yukon oder Montreal, meine Lieblingsstadt, in der die Kulturen verschmelzen. Ich reise gern dorthin, besuche Freunde und entdecke Neues. Überhaupt inspirieren mich Orte sehr. Eine Landschaft, eine Atmosphäre kann eine ganze Geschichte entstehen lassen.

Autorin Elke Reinauer ist in Trossingen aufgewachsen. Foto: Reinauer
Sie sagen, dass Sie keine Schreibblockaden kennen. Was machen Sie, wenn eine Geschichte trotzdem einmal nicht so weitergeht, wie Sie es sich vorgestellt haben?
Ich arbeite seit über fünfzehn Jahren als Journalistin und Redakteurin und schreibe jeden Tag. Vielleicht kenne ich deshalb keine Schreibblockaden. Ich glaube nicht so sehr an die Muse, auf die man warten muss. Für mich heisst es: hinsetzen und schreiben, auch wenn das Ergebnis mal nicht gleich passt. Hänge ich an einer Stelle fest, lasse ich sie liegen, gehe spazieren, schreibe woanders weiter und komme später zurück. Und wenn es dann immer noch hakt, ist das oft ein Hinweis, dass die Struktur der Geschichte noch nicht stimmt.
Ihr Buch „Roots – Wurzeln in Namibia“ beschäftigt sich mit der Suche nach Wurzeln und mit Namibia. Was hat Sie an dieser Geschichte so lange beschäftigt, dass daraus ein Roman wurde?
Kleine Aktualisierung vorweg: Das Buch heisst inzwischen „Rote Makalani“, das Thema ist aber dasselbe geblieben. Bei meinen vielen Aufenthalten in Namibia haben mich vor allem die Menschen beschäftigt. Zum Beispiel eine gute Freundin, Deutsch-Namibierin in dritter Generation, deren Familie seit der Kolonialzeit im Land lebt. Wie sie lebt und denkt, hat mich fasziniert. Und dann die Begegnungen im Township Katutura, wo ich mit Creabuntu ein Kunst- und Puppentheaterprojekt für Kinder mache. Namibia hat eine ganz eigene Atmosphäre. Wenn ich dort ankomme, habe ich jedes Mal das Gefühl, in eine andere Haut zu schlüpfen: gelassener, verbundener mit der Natur. All das steckt in meinem Roman: die Begegnung der Kulturen, die Geschichte als ehemalige deutsche Kolonie, die gewaltige Natur. Es ist also weit mehr als eine Liebesgeschichte. Ich hoffe, die Leserinnen und Leser reisen ein Stück mit mir nach Namibia.
Sie haben als Journalistin gearbeitet und sind heute als Autorin tätig. Was reizt Sie am literarischen Erzählen, was im Journalismus vielleicht nicht möglich ist?
Tatsächlich bin ich nach wie vor Redakteurin, zurzeit bei einer Lokalzeitung in der Schweiz. Beides gehört für mich zusammen. Im Journalismus zählen Fakten. Beim literarischen Erzählen darf ich erfinden, fantasieren und beschreiben. Sprachlich entwickle ich mich in beiden Bereichen weiter, nur eben auf ganz unterschiedliche Weise.
Welche kommenden Schreibprojekte stehen bei Ihnen an?
Ich schreibe die Kolumne „Der Mann in meinem Leben“. Es geht um den ganz normalen Alltag in einer Partnerschaft, mit allen Höhen und Tiefen. Zu lesen ist sie derzeit auf meiner Webseite www.autorinelkereinauer.com. Darauf habe ich so viele schöne Rückmeldungen bekommen, dass daraus vielleicht einmal ein Buch wird. Und sonst? An Ideen mangelt es nie. Vielleicht wieder ein Kanada-Roman…