Das Akkordeon als Konzertinstrument: Das Deutsche Harmonikamuseum widmet den Juli dem Instrument des Jahres

Akkordeons aus der Sammlung des Deutschen Harmonikamuseums geben Einblick in die Geschichte und Vielfalt des Instruments. Foto: Museum

Im Rahmen seiner Themenreihe zum „Instrument des Jahres“ stellt das Deutsche Harmonikamuseum im Juli das Akkordeon als Konzertinstrument in den Mittelpunkt. Die Präsentation beleuchtet die Entwicklung des Instruments vom beliebten Alltags- und Begleitinstrument hin zu einem festen Bestandteil der Konzert- und Kunstmusik.

„Den Schwerpunkt ‚Das Akkordeon als Konzertinstrument‘ haben wir für den Monat Juli gewählt, weil er eine Seite des Instruments zeigt, die in der öffentlichen Wahrnehmung bis heute oft unterschätzt wird“, erklärt Museumsleiter Salvatore Martinelli.

Akkordeons aus der Sammlung des Deutschen Harmonikamuseums geben Einblick in die Geschichte und Vielfalt des Instruments. Foto: Museum

Akkordeons aus der Sammlung des Deutschen Harmonikamuseums geben Einblick in die Geschichte und Vielfalt des Instruments. Foto: Museum

Das Akkordeon entwickelte sich im 19. Jahrhundert aus den europäischen Zungeninstrumenten und verbreitete sich rasch als vielseitiges Instrument für Hausmusik, Tanz und Unterhaltung. Seine Fähigkeit, Melodie und Begleitung zugleich zu übernehmen, machte es zu einem der populärsten Instrumente seiner Zeit. Gerade diese Nähe zum Alltag führte jedoch dazu, dass es lange nicht selbstverständlich als Konzertinstrument wahrgenommen wurde.

„Der Wandel setzte vor allem im 20. Jahrhundert ein. Entscheidend war, dass Musiker, Pädagogen und Komponisten das Akkordeon nicht mehr nur als Begleitinstrument betrachteten, sondern seine eigenen künstlerischen Möglichkeiten ernst nahmen“, so Martinelli.

Eine wichtige Voraussetzung für diese Entwicklung waren technische Innovationen wie das freie Basssystem beziehungsweise das Einzeltonmanual. Sie erweiterten den musikalischen Spielraum erheblich und ermöglichten komplexere, mehrstimmige Spielweisen, die für Konzertliteratur und zeitgenössische Musik von zentraler Bedeutung sind.

In Deutschland ist diese Entwicklung eng mit Hugo Herrmann verbunden. Der Komponist, Musikpädagoge, Hochschullehrer und Publizist wurde 1935 Direktor der Städtischen Musikschule Trossingen und trug wesentlich dazu bei, das Akkordeon im Bereich der Kunstmusik zu etablieren.

„In Deutschland ist diese Entwicklung eng mit Hugo Herrmann verbunden“, betont Martinelli. „Mit seiner pädagogischen Arbeit und seinen Kompositionen hat er wesentlich dazu beigetragen, das Akkordeon im Bereich der Kunstmusik ernsthaft zu etablieren.“

Auch international haben bedeutende Künstlerinnen und Künstler das Bild des Konzertakkordeons geprägt. Namen wie Mie Miki, Stefan Hussong und Teodoro Anzellotti stehen exemplarisch für die Entwicklung eines Instruments, das heute selbstverständlich seinen Platz in Konzertsälen und auf internationalen Festivals gefunden hat.

„Solche Künstlerinnen und Künstler haben gezeigt, dass das Akkordeon nicht nur charmant oder volkstümlich klingen kann, sondern auch hochvirtuos, experimentell, poetisch und sehr differenziert“, sagt Martinelli.

Eine besondere Rolle in dieser Geschichte spielt Trossingen. Mit der langen Tradition des Instrumentenbaus durch Hohner, dem Deutschen Harmonikamuseum, dem Hohner-Konservatorium und der Staatlichen Hochschule für Musik vereint die Stadt Instrumentenbau, Sammlung, Forschung, Ausbildung und künstlerische Praxis an einem Ort.

„Trossingen spielt in dieser Geschichte eine besondere Rolle“, erklärt Martinelli. „Man kann sagen: In Trossingen wurde das Akkordeon nicht nur gebaut und gespielt, sondern auch gelehrt, weiterentwickelt und historisch bewahrt.“

Die Juli-Präsentation im Deutschen Harmonikamuseum zeigt ausgewählte Instrumente und Materialien, die unterschiedliche Entwicklungsstufen, Klangvorstellungen und Spielweisen dokumentieren. Dabei wird deutlich, wie technische Neuerungen, neue Spieltechniken und kompositorische Entwicklungen die Geschichte des Akkordeons geprägt haben.

„Im Juli möchten wir im Museum genau diesen Weg sichtbar machen: vom populären Instrument des Alltags hin zum Konzertinstrument“, so Martinelli.

Heute ist das Akkordeon im klassischen Konzertbetrieb fest etabliert und zugleich in unterschiedlichsten musikalischen Traditionen zu Hause – von Volksmusik und Tango über Jazz und Kammermusik bis hin zur zeitgenössischen Musik. Gerade diese Vielseitigkeit macht seinen besonderen Reiz aus.

Die Themenreihe zum „Instrument des Jahres“ wird auch nach dem Juli fortgesetzt und widmet sich weiteren Aspekten der Geschichte und Gegenwart des Akkordeons.

„Unser Ziel ist es, das Akkordeon nicht nur als Museumsobjekt zu zeigen, sondern als lebendiges Instrument mit einer vielschichtigen Kulturgeschichte“, so Salvatore Martinelli.

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