Von Feelgood-Pop bis Progressive Metal: Semesterabschlusskonzert der JazzPop-Abteilung

Ein vielseitiges und mitreißendes Konzert wurde dem Publikum im vollbesetzten Kesselhaus am vergangenen Mittwochabend geboten – Liebhaber der sanften Töne kamen dabei ebenso auf ihre Kosten wie eingefleischte Metalcore-Fans.

Es ist mittlerweile zweifellos ein Höhepunkt im Programmkalender der Stadt: Zum Abschluss eines jeden Semesters präsentieren die Jazz-Pop-Studierenden der Trossinger Musikhochschule die während des Semesters erarbeiteten Songs. Neben den von den Dozierenden gecoachten Combos, die sich bestimmten Interpretinnen oder Stilistiken widmeten, präsentieren auch die Prüfungskandidaten Highlights aus ihren Programmen. Dabei entsteht ein kurzweiliges und unterhaltsames Konzert, das launig von Prof. Tobias Hoffmann (E-Gitarre) und Anika Neipp moderiert wird.

Kontraste, Kontraste, Kontraste

In diesem Semester war es, als stünden die Kontraste im Vordergrund. Begann das Konzert mit dem einnehmenden, warmen Duo-Sound von Pauline Schäuble (Keys und Gesang) und Josefine Schullerer (Gesang), fand man sich bereits bei der nächsten Combo in den Untiefen des von Miles Davis geprägten Modal Jazz. Die von Tobias Hoffmann geleitete Combo widmete sich dem legendären Album »Kind of Blue« des Jazz-Trompeters und interpretierte zwei Klassiker daraus, So what und All blues. Hervorzuheben sind die beeindruckenden Soli der Bläsersolisten Emil Sporrer (Trompete), Jeanette Kessler (Sax) und Amelie Fischer (Sax), die von einer groovigen Rhythm-Section durch die atmosphärischen Songs getragen wurden.Auf diesen Ausflug in die Musikgeschichte folgte die grandiose Taylor-Swift-Combo, die es sich zur Aufgabe machte, bekanntere und unbekanntere Songs in einem rein akustischen Setting zum Klingen zu bringen. Das Wagnis gelang auf beeindruckende Art und Weise, nicht zuletzt durch die fein differenzierten Stimmen von Selin Solak, Amelia Kneer und Pauline Schäfer, die die in der ungewöhnlichen Folk-Besetzung erstaunlich frisch klingenden Songs (besonders überzeugend: der Radio-Dauerbrenner Blank Space) des wohl erfolgreichsten Pop-Künstlers unserer Zeit hervorragend interpretierten.

Von Sister Act bis Porgressive Metal

Ehe man sich’s versah, war bereits die erste Konzerthälfte des knapp zweieinhalbstündigen Abends vorüber und nach der Pause ging es dann sogleich in abermals gänzlich anderen Gefilden mit dem JazzPop-Chor unter der Leitung von Sebastian Oberlin weiter. Mit dem an Beethovens Neunter Sinfonie angelehnten Gospel-Klassiker Joyful, Joyful bewiesen die Studierenden ihre Freude am Gospelgesang und brachten ein bisschen Sister Act ins Hohner-Areal. Schade, dass der Chor hier nur einen Song präsentierte – man hätte gerne mehr gehört. Ebenso schade ist auch der Weggang des Chorleiters, der in den letzten drei Semestern einigen Schwung in den zuvor etwas fahrig organisierten Chor gebracht hatte: Man hofft auf glückliche Nachbesetzung und weitere Fortschritte in diesem etwas unterbelichteten Bereich der Abteilung. Nach den sakralen Klängen wandelte sich das Blatt dann abermals hin zu einigen der großen Hits der letzten Jahrzehnte. Mit Sheryl Crow, dem Namen nach in Deutschland erstaunlicherweise nicht übermäßig bekannt, die Songs dafür umso mehr, hat sich die große Combo befasst und gleich vier Songs der US-amerikanischen Musikerin mitgebracht. Die vor allem in den 1990er-Jahren enorm erfolgreichen Ohrwurm-Hits wie Can’t Cry Anymore oder All I wanna do verfehlten auch hier ihre Wirkung nicht, sodass das Publikum sichtlich begeistert für die starken Auftritte der Studierenden applaudierte. Abermals bewiesen die überzeugenden Sänger:innen, die scheinbar mühelos zwischen den verschiedenen Genres und Gesangstechniken wechselten, die hohe Qualität der JazzPop-Ausbildung im beschaulichen Trossingen: Philipp Schulz, Pia Schreiweis und Amelia Kneer brachten mit großer Präsenz, ansteckender Spiel- und Singfreude und souveräner Gesangstechnik Klassiker des Mainstream-Rock auf die dann volle Bühne im Kesselhaus.

Der letzte Teil des Konzerts gehörter den Prüflingen, die tags zuvor ihre Zwischen-, Bachelor- oder Masterabschlüsse gespielt hatten. Caroline Weber fügte dem Programm mit dem progressive Metal Track Pisces eine laute und energievolle Facette hinzu: Das komplexe Stück spielt mit ungeraden Taktarten und changiert von sanfteren Rock-Klängen hin zu ohrenbetäubenden Growls und »Voll-auf-die-Zwölf«-Drumset-Sound. Mit Philipp Kleins bewegender Interpretation des Faber-Songs Du schläfst stand abermals ein krasser Stilwechsel bevor, erklang zugleich ein weiterer Höhepunkt im starken Finale: Im kleinen Ensemble, von Posaune (Silvan Broghammer) und Cello (Lea-Marie Ziegler) begleitet, gelang es dem Sänger innerhalb kürzester Zeit alle Aufmerksamkeit des Saals auf sich zu ziehen: Selten erlebt man derart stimmige Auftritte, die auf allen musikalischen Ebenen zu Herzen gehen und in (nach kurzer nachlauschender Stille) frenetische Beifallssstürme münden. Selin Solak (Gesang) schloss daran mit der virtuosen und unglaublich groovigen Nummer Where is my Husband der Pop-Sängerin RAYE an, wobei insbesondere die RnB-Einflüsse in der Musik des Originals in Solaks Interpretation sehr gut zur Geltung kamen. Auch hier (wie bei allen anderen Beiträgen auch) brillierte die Rhythmusgruppe, die in besonderem Maße von den beiden Gitarristen Mathis Schuller und Mattheo Mohn getragen wurde.

Das Konzert endete mit einem Ausflug in die Musik mit prominenten Horn-Sections: Sara Schmidle (Trompete) überzeugte mit ihrer Combo und brachte das Konzert mit einer groovigen Version des JP Shuffles der jungen Trompeterin Summer Camargo und dem Neo-Swing Song Hey Pachuco mit Latin-Einflüssen zu einem grandiosen Ende.Das Publikum dankte mit langanhaltendem Applaus und war sichtlich erfreut ob der hervorragenden Qualität der Musik, die da im Kesselhaus erklingen durfte.

Adrian T. Brenneisen

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