
Erstmals finden Anfang Mai die Trossinger Erbrechtstage statt und beschäftigen sich mit den Themen Testament, Vorsorge und dem selbstbestimmten Sterben. In drei Abendveranstaltungen wollen die Referenten informieren, aber durchaus auch unterhalten. Für den Abschlussabend „Das Recht des Todes und das Recht auf den eigenen Tod“ kommt Rechtswissenschaftler Karlheinz Muscheler nach Trossingen. Der Eintritt ist jeweils frei, Voranmeldungen sind nicht nötig.
Schon mal überlegt, Ihr Testament selbst zu verfassen, vielleicht mit Hilfe von KI? Lassen Sie es lieber bleiben. „Erbrecht ist ein sehr vielseitiges Feld und für Laien nur schwer einzuordnen“, sagt Matthias Hann, Fachanwalt für Erbrecht. „Zum Beispiel kommt es sehr stark auf Wortwahl und Formulierungen an.“ Die Wörter „vererben“ und „vermachen“ etwa, die sich nicht synonym verwenden lassen: Bekommt man etwas vererbt, ist man der Erbe und erhält erstmal alles; erhält man etwas vermacht, hat man einen Anspruch, muss diesen aber beim Erben geltend machen.

Im Mai finden die ersten Trossinger Erbrechtstage statt.
Ein hochkomplexes Themenfeld also, über das man sich am besten bei Experten beraten lässt. Einblicke ins Erbrecht gibt es bei den 1. Trossinger Erbrechtstagen bei folgenden Veranstaltungen:
„Zwischen Tod, Testament und Tragödien“ am Mittwoch, 6. Mai, um 18.30 Uhr
in der Stadtbücherei Trossingen: Fachanwalt für Erbrecht Matthias Henn und Notar Christian Schmid führen Sie mitten hinein in echte Erbfälle, in denen aus Familien Gegner werden, Moral bröckelt und überraschende Wendungen alles auf den Kopf stellen. Schonungslos, unterhaltsam und zugleich fachlich präzise zeigen sie, wie es wirklich läuft – und worauf es ankommt, wenn aus dem letzten Willen kein handfester Konflikt werden soll.
„Würfelperspektiven – Vermögen über Generationen hinweg regeln“ am Donnerstag, 7. Mai, um 18.30 Uhr im Würfelsaal der Volksbank Trossingen: Erfahren Sie, wie Sie wichtige Entscheidungen rund um Ihr Vermögen klar und rechtzeitig gestalten können. Neben fachlichen Impulsen bieten wir Ihnen Raum für Fragen und den persönlichen Austausch. Kommen Sie vorbei, lassen Sie sich inspirieren und nutzen Sie die Gelegenheit, in lockerer Runde ins Gespräch zu kommen.
„Das Recht des Todes und das Recht auf den eigenen Tod“ am Freitag, 8. Mai, um 18.30 Uhr im Ganztagesgebäude des Schulzentrums Trossingen: Freiheit und Würde am Lebensende – Prof. em. Dr. Karlheinz Muscheler blickt auf aktuelle Fragen rund um ein selbstbestimmtes Sterben, die Strafbarkeit der Tötung auf Verlangen und die Einschränkung professioneller Hilfe zum Suizid. Kritische und emotionale Themen, die zu einer lebhaften Diskussion einladen.
Die Idee zu den Erbrechtstagen entstand im Gewerbeverein, der nicht nur Großveranstaltungen anbieten möchte, sondern künftig auch kleinere Formate in verschiedenen Themenbereichen auf die Beine stellen möchte. Eine Veranstaltung zum Thema Erbrecht, erzählt Matthias Henn, sei spontan als Gedanke aufgekommen. „Und jetzt ist es das Pilotprojekt für ähnliche Formate zu anderen Themen.“
Als erstes hatte Matthias Henn daran gedacht, ob Karlheinz Muscheler als Referent buchbar sei. „Der Vortrag liegt mir besonders am Herzen, da er sich um ein aktuelles, spannendes Thema dreht, das sicher viele Leute interessiert.“ Muscheler ist Jurist und ehemaliger Hochschullehrer an der Ruhr-Universität Bochum sowie unter anderem Vorsitzender des Vereins „Hereditare“, der sich der Erforschung und Förderung von Erbrecht widmet.
Schnell kamen zahlreiche weitere Ideen zusammen – und so klein sollte das Format dann doch nicht bleiben, sondern entwickelte sich zu gleich drei Abendveranstaltungen. Mit im Boot sind der Trossinger Gewerbeverein, Volksbank Trossingen, Volkshochschule Trossingen und signbar.
Wer über das Thema Erbrecht auch mal schmunzeln möchte, ist am ersten Abend richtig. Henn und Notar Christian Schmid stellen hier ganz verschiedene Fälle vor, bei denen der Humor nicht zu kurz kommt. So viel sei schon mal verraten: Auch US-Präsident Donald Trump hat darin seinen Auftritt. Unterhaltsam mit Informationsgehalt soll die Veranstaltung werden, „Ein bisschen wie ein True-Crime-Podcast“, sagt Henn.
Wer selbst einige Fragen hat und über Erben und Erbrecht diskutieren möchte, besucht am besten die zweite Veranstaltung im Würfelsaal der Volksbank, die viel Raum für Fragen und den persönlichen Austausch bietet. Ein wichtiger Rat, den Matthias Henn vorab schon allen Leuten im Hinblick auf ihr Erbe geben kann? „Sich früh genug Gedanken machen und sich beraten lassen“, sagt er. „Mein Beispiel ist immer Folgendes: Wer heiratet und keine Kinder hat, dessen Erbe teilt sich auf den Ehepartner und die Eltern auf. Und eine Erbengemeinschaft aus Ehepartner und Schwiegereltern kann sich im Zweifel schwierig gestalten.“
Was sich dagegen gar nicht schwierig gestaltet: Einfälle und Ideen für weitere Auflagen der Erbrechtstage zu finden. Da gebe es schon viele, meint Henn. Was eine oder mehrere Fortsetzungen angeht, zeigt sich auch Volkshochschul-Leiter Jens Kistenfeger sehr optimistisch: „Wenn die Erbrechtstage ein Erfolg werden, gibt es sicher weitere“, meint er. „Die VHS-Veranstaltungen, die Matthias Henn als Referent zum Thema Erbrecht gegeben hat, sind seit vielen Jahren immer der Renner. Großer Bedarf und Interesse sind also auf jeden Fall vorhanden.“