Wo Trossingens Geschichte lebendig wird: Das Auberlehaus

Das Auberlehaus ist ein altes Bauernhaus, das 1718 erbaut wurde

Mitten in Trossingen befindet sich das Museum Auberlehaus, das Besucher auf eine spannende Reise durch die Vergangenheit mitnimmt. Das historische Gebäude selbst ist schon etwas Besonderes: Das Auberlehaus ist ein altes Bauernhaus, das 1718 erbaut wurde, und bereits beim Betreten einen Eindruck vermittelt, wie die Menschen früher gelebt und gearbeitet haben.

Aktuell zeigt das Museum die Sonderausstellung „Schätze der Erde“ mit über 20.000 Stufen. Dort dreht sich alles um die faszinierende Entstehung und Vielfalt von Mineralien. „Da sind schon einige sehr seltene und kostbare Mineralien dabei“, sagt Museumsleiter Volker Neipp. Zum Beispiel die Mineralien aus der Tsumeb-Mine in Namibia. Diese liegt rund 370 Kilometer nördlich von Windhoek und war für ihre außergewöhnlich hochwertigen Mineralien bekannt, als dort noch gefördert wurde.

Übrigens: Die Mineraliensammlung hat das Auberlehaus 2010 aus dem Kloster Weingarten in Oberschwaben übernommen, als sich dieses aufgelöst hatte. Die Voraussetzung war damals, dass die komplette Sammlung des Klosters nach Trossingen kommt – und so finden sich nun überall im Museum Ausstellungsstücke zu Themen wie Archäologie, Naturkunde, Völkerkunde oder Textilien, die die Mönche über viele Jahre gesammelt hatten.

Das Museum besitzt eine umfangreiche Mineraliensammlug.

Das Museum besitzt eine umfangreiche Mineraliensammlug.

Das Museum besitzt eine umfangreiche Mineraliensammlug.

Das Museum besitzt eine umfangreiche Mineraliensammlug.

Weit über die Grenzen der Region hinaus bekannt ist das Auberlehaus – die Saurierstatue vor dem Museum weist bereits darauf hin – für seine Dinosaurierausstellung. Generell gilt Trossingen weltweit als größte Saurierfundstelle der Triaszeit, vor allem für den Plateosaurus. 1909 bauten Trossinger Schulkinder an einem Hang aus Knollenmergel nahe der Oberen Mühle eine Rutschbahn. Beim Rutschen riss sich der Schüler Hermann Weiss die Hose auf. Als die Kinder daraufhin genauer hinsahen, machten sie eine erstaunliche Entdeckung: Aus dem verwitterten Gestein ragten mehrere Knochen hervor. Bis heute werden dort immer neue Funde ausgegraben. „Inzwischen ist es soviel, dass wir die Paläontologie umbauen und an der Fundstelle ein Besucherzentrum einrichten möchten“, berichtet Volker Neipp.

Trossingen ist bekannt für die Saurierfunde.

Trossingen ist bekannt für die Saurierfunde.

Trossingen ist bekannt für die Saurierfunde.

Trossingen ist bekannt für die Saurierfunde.

Nicht nur Dinosaurierknochen wurden und werden an der Rutschete entdeckt, sondern auch viele Pflanzen und Lebewesen. Ammoniten in allen Größen zum Beispiel, ausgestorbene Meerestiere, die vor allem für ihre spiralförmig eingerollten Schalen bekannt sind. Vor 200 Millionen Jahren war die Schwäbische Alb nämlich noch ein tropischer Ozean. „Hier gab es Korallenriffe wie auf den Malediven“, sagt Volker Neipp schmunzelnd.

Ammoniten in jeder Größe wurden in Trossingen ausgegraben.

Ammoniten in jeder Größe wurden in Trossingen ausgegraben.

Ammoniten in jeder Größe wurden in Trossingen ausgegraben.

Ammoniten in jeder Größe wurden in Trossingen ausgegraben.

Eine versteinerte Meeresschildkröte in der Paläontologie.

Eine versteinerte Meeresschildkröte in der Paläontologie.

Ammoniten in jeder Größe wurden in Trossingen ausgegraben.

Ammoniten in jeder Größe wurden in Trossingen ausgegraben.

Ein weiterer großer Bereich beschäftigt sich mit der Geschichte Trossingens. Hier erfahren Besucher, wie sich die Stadt im Laufe der Jahrhunderte entwickelt hat und wie das Leben der Menschen früher aussah. Alte Gegenstände aus dem Alltag, Werkzeuge und Handwerkszeug zeigen, wie gearbeitet und gelebt wurde, bevor es moderne Technik und Maschinen gab. Die Werkstätten aus dem 20. Jahrhundert, die im Anbau gezeigt werden, stammen zu über 90 Prozent aus Trossingen, etwas, das es sehr selten in Museen gibt, betont Volker Neipp. Auch ein historisches Klassenzimmer gehört zur Ausstellung und vermittelt einen Eindruck davon, wie Schule früher ausgesehen hat. Und wer in der Küche genau hinschaut, sieht, wie damals die Spitzen der Christbäume recycelt wurden: als Quirl zum Kochen nämlich.

Im Museim gibt es Einblicke, wie die Trossinger im 20. Jahrhundert gewohnt haben.

Im Museim gibt es Einblicke, wie die Trossinger im 20. Jahrhundert gewohnt haben.

Werkstätte aus dem 20. Jahrhundert

Werkstätte aus dem 20. Jahrhundert

Werkstätte aus dem 20. Jahrhundert

Werkstätte aus dem 20. Jahrhundert

Werkstätte aus dem 20. Jahrhundert

Werkstätte aus dem 20. Jahrhundert

Neu ist seit diesem Frühjahr die Abteilung Fotografie. Das Museum besitzt rund 20.000 historische und alte Fotografien aus Trossingen und darüber hinaus und hat vom Trossinger Fotostudio Jörg die alte Dunkelkammer inklusive Atelier erhalten. Wer neugierig ist, wie früher Fotos entwickelt wurden, kann einmal bei geschlossenem Vorhang in die Dunkelkammer schlüpfen. Besichtigen kann man hier zum Beispiel auch eine meterlange Reprokamera, mit der man Dokumente, Fotos, Zeichnungen, Karten oder andere flache Vorlagen fotografiert hat, um sie möglichst originalgetreu zu vervielfältigen. Und auch die älteste Fotografie, die von Trossingen jemals gemacht wurde, findet man hier: Eine Aufnahme des Pfarrdorfs vom Gauger aus aus dem Jahr 1863.

Selfie gefällig? In der Fotografie-Ausstellung kann man Erinnerungsbilder machen.

Selfie gefällig? In der Fotografie-Ausstellung kann man Erinnerungsbilder machen.

Was in den kommenden Monaten und 2027 im Auberlehaus passiert

Eine Aufgabe, mit der sich Volker Neipp und sein Team von Ehrenamtlichen derzeit beschäftigen, ist der Nachbau des Trossinger Kinos – samt Originalschild von 1925 und dem Klavier, das damals im Kino für die Stummfilmbegleitung genutzt wurde. „Wir bauen den Vorführraum und den Zuschauerraum nach“, erzählt Volker Neipp. Beides soll kommenden Herbst zum 50-jährigen Museumsjubiläum fertig sein.

Das Schild des Trossinger Kinos.

Das Schild des Trossinger Kinos.

2027 will das Museum zum Anlass von 100 Jahren Stadtrecht auch die musikalische Geschichte Trossingens sichtbar machen und zeigt die älteste in Trossingen gebaute Mundharmonika und das älteste deutsche Akkordeon – beides aus der Privatsammlung von Dr. Ernst Hohner, die dieser dem Museum geschenkt hatte.

Bereits diesen Winter zieht die Sonderausstellung zum Thema „Kindheitsträume“ im Erdgeschoss (und einigen historischen Wohnräumen) ein. Dann fährt eine alte Märklin-Eisenbahn aus den 20er-Jahren durchs Museum und die Gäste können Spielzeug aus den 20er-, 30er-, 40er- und 50er-Jahren bestaunen. Ganz besonders ist eine Puppenstube, die ein detailgetreuer Nachbau aus dem Trossinger Hotel Kronprinz (dem heutigen Hans-Lenz-Haus) ist, die das Auberlehaus gerade erst erhalten hat. Sogar die Möbel sind maßstabsgetreue Nachbildungen. „Diese Puppenstube gibt es genau einmal“, sagt Volker Neipp.

Wer durch das Auberlehaus geht, merkt schnell: Hier gibt es an fast jeder Ecke etwas zu entdecken. Manchmal ist es ein besonders seltenes Mineral, manchmal ein Stück Trossinger Geschichte und manchmal einfach ein kleines Detail, an dem man einfach hängen bleibt, wie eine perfekt nachgebaute Hängelampe für eine besondere Puppenstube. Genau das macht den Rundgang so abwechslungsreich – und sorgt dafür, dass es hier auch in Zukunft immer wieder etwas zu entdecken gibt.

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