
Mit ihren Romanen begeistert die Trossinger Autorin Elisabeth Büchle seit Jahren zahlreiche Leserinnen und Leser. Ideen kommen ihr schon auch mal beim Wäsche aufhängen und wenn es um historische Details geht, nimmt sie diese sehr genau. Im Interview spricht sie über ihre Inspirationen, das Schreiben und die Geschichten hinter ihren Büchern.
Sie haben eine Ausbildung zur Bürokauffrau im Groß- und Einzelhandel, dann eine Ausbildung zur Altenpflegerin absolviert. Wie sind Sie zum Schreiben gekommen – gab es da einen „Schlüsselmoment“ oder lag Ihnen das einfach schon immer?
Tatsächlich war die Liebe zum Schreiben und natürlich auch die dazugehörende Fantasie schon viel früher in mich hineingelegt. Ich habe bereits in der 2. Klasse damit begonnen, Schulhefte mit Abenteuergeschichten zu füllen. Es entstand eine längere Pause, bis wir uns als Familie im Jahr 1997 den ersten Computer angeschafft haben. Danach habe ich die Freude am Geschichtenspinnen neu entdeckt und jahrelang an einer Südstaaten-Saga geschrieben, die rund 25 Jahre später bei Bastei Lübbe unter dem Reihentitel „Töchter der Freiheit“ veröffentlicht wurde.
Wann haben Sie gemerkt, dass Schreiben für Sie mehr ist als ein Hobby?
Das müsste etwa nach der Veröffentlichung des dritten Romans gewesen sein. Damals kamen immer mehr Lesungsanfragen rein und der Verlag wollte meine Bücher gern in einer gewissen Regelmäßigkeit im Programm haben. Dies, meine damals schon 7-köpfige Familie und einige weitere Umstände haben dazu geführt, dass ich meine Altenpflegestelle gekündigt und mich voll auf meine Autorentätigkeit konzentriert habe.
Welche Rolle spielt Ihre Heimat Trossingen in Ihrem Leben und Schreiben?
Ich denke, die Geburts- und langjährige Heimatstadt, allem voran die Menschen in ihr, waren prägende Komponenten in meinem Leben. So ist es nicht verwunderlich, dass in einigen meiner Romane Trossingen zumindest erwähnt ist. Sicher hat auch, wenngleich eher unbewusst, der eine oder andere „Trossinger Charakter“ in Form einer Romanfigur den Weg in meine Bücher gefunden.
Wie entsteht bei Ihnen eine neue Geschichte: Eher durch Figuren, ein historisches Ereignis oder ein Thema oder eine Handlungsidee?
Dahingehend bin ich überhaupt nicht festgelegt. Alle Möglichkeiten haben schon dazu beigetragen, dass in meinem Kopf ein erstes Grundgerüst für ein neues Buch entstanden ist und anschließend geschrieben wurde. So wie ich mich auf keine Epoche oder ein Land festlege, sondern vielmehr über das schreibe wonach mir der Sinn steht, setze ich auch hier auf Abwechslung.
Ihre Romane spielen ja oft in historischen Kontexten. Was fasziniert Sie an der Vergangenheit?
Die geschichtlichen Hintergründe einer Epoche, einer Personengruppe, eines Landes (…), sind randvoll gefüllt mit den Einzelschicksalen unserer Vorfahren. Es fasziniert mich, gedanklich ihrem Alltag, ihren schweren Zeiten und Freuden nachzuspüren. Ihre Entscheidungen zu überdenken und zu überlegen, wie ich mit einer bestimmten Situation umgegangen wäre und wie ich mich dabei gefühlt hätte, ist ein spannender Prozess. Manche meiner Protagonisten tappen genau in dieselben Fettnäpfchen wie unsere Ahnen, andere dürfen dagegen „Helden“ mit Fehlern sein. Mein Anspruch ist es, aus den Fehlern vorangegangener Generationen zu lernen, um es im Heute besser zu machen. Aus diesem Grund bearbeite ich in meinen Romanen häufiger mal verschiedene Kriege, die NS-Zeit etc. und leiste somit Aufklärungsarbeit und schreibe „gegen das Vergessen“ an.
Welche Herausforderungen bringt das Schreiben historischer Romane mit sich?
Da ich den Ehrgeiz habe, selbst die allerkleinsten historischen Details möglichst detailgetreu wiederzugeben, versinke ich oft in der Recherche und gebe auch mal viel Geld aus für oft nur noch antiquarisch erhältliche Rechercheliteratur. Da die Zeit bis zum vertraglich festgelegten Abgabetermin des Manuskripts gelegentlich drängt, muss ich irgendwann auch wieder in der Gegenwart auftauchen. Und ja, manchmal verbleibt selbst nach einer ausgiebigen Recherche eine Ungenauigkeit oder sogar ein Fehler im Text. Sobald ich das bemerke, versuche ich mich damit zu trösten, dass ich Unterhaltungsromane schreibe, keine Sachbücher.
Die nächste Herausforderung ist eher eine emotionale. Das, was meine Romanfiguren in so mancher Epoche erleiden müssen, ist nicht immer einfach auszuhalten, obwohl ich ja nur in meiner gemütlichen Schreibstube sitze und den Protagonisten Leben einhauche.
Wie recherchieren Sie für Ihre Geschichten?
Da gibt es ein breites Spektrum an Möglichkeiten. Meine Hauptquellen sind nach wie vor Bücher – von Reiseführern über Bildbände bis hin zu manchmal speckigen, alten und schwer verdaulichen Sachbüchern. Reiseberichte von Bloggern im Internet und Dokumentationen über Sachthemen, Land und Leute schätze ich ebenfalls. Besonders hilfreich ist es für mich, wenn ich jemanden finde, der Fachwissen über ein Thema hat. Darunter sind „große“ Themen, wie bei meinem Tsunami-Roman oder dem Alltag auf einem historischen Großsegler, aber auch ganz alltägliche Informationen aus erster Hand sind wichtig. Denn in zeitgenössischen Romanen muss ebenfalls sorgfältig recherchiert werden. Über Polizeiarbeit, über Pflanzen oder die Arbeit einer Zahnmedizinischen Fachangestellten und vieles mehr. Deshalb freue ich mich auch immer über neue Newsletter-Abonnenten. Von ihnen konnten mir schon einige knifflige Fragen beantwortet werden, und natürlich bedanke ich mich dafür gebührend am Ende des Buches, oft schicke ich der Person auch ein Exemplar zu.

Erfolgsautorin Elisabeth Büchle kommt aus Trossingen. Foto:Elisabeth Büchle
Gibt es ein Buch, das Ihnen beim Schreiben besonders viel bedeutet hat?
Das ist, zumindest empfinde ich es so, so ziemlich die schwierigste Frage, die man einer Autorin stellen kann. Es gibt unter meinen bisher 52 Büchern Storys, die mir leicht von der Hand gegangen sind, mit anderen habe ich gerungen. Das sagt aber nichts über deren Qualität aus oder darüber, wie viel mir ihr Inhalt bedeutet. Einen besonderen Platz in meinem Herzen hat natürlich mein erstes veröffentlichtes Buch „Im Herzen die Freiheit“. In einigen Romanen unter dem Pseudonym Noa C. Walker habe ich sehr persönliche Erfahrungen verarbeitet, aktuell machen mir die Geschichten meines dritten Ichs, Ella Bennet, besonders viel Spaß.
Haben Sie eine Lieblingsfigur aus Ihren Büchern und wenn ja, warum?
Ich mag Philippe aus der Meindorff-Saga rund um den Ersten Weltkrieg. Er ist so herrlich unangepasst und trotzdem ein echter Held. Auch Lily aus „Rebellin mit Herz“ finde ich besonders, seltsamerweise aus genau demselben Grund: Sie passt in kein Schema. Besonders ans Herz gewachsen sind mir auch die Frauen aus dem historischen Teil des Zwei-Zeitebenen-Romans „Die Hüterin der verlorenen Schätze“. Und ja, auch sie entsprechen nicht dem klassischen Frauenbild der damaligen Zeit. Es zieht sich also durch: Ich mag unangepasste, den Rahmen sprengende Romanfiguren. Woran das wohl liegt?
Wie gehen Sie mit Schreibblockaden um?
Schreibblockaden entstehen meiner Meinung nach aus zwei Gründen. Dem einen kann man nur schwer etwas entgegensetzen. Wenn es im familiären Umfeld oder im Weltgeschehen zu Ereignissen kommt, die sich schmerzhaft im Herzen einer Autorin verbeißen, dann bleibt auch mal die Kreativität auf der Strecke.
Der zweite Grund liegt verborgen in der zu schreibenden Geschichte. Eine Schreibblockade macht deutlich, dass etwas mit der Storyline oder mit den Romanfiguren nicht stimmt. In diesem Fall spreche ich mit jemandem über das Manuskript oder gehe spazieren und durchdenke neu den Ansatz und die nachfolgenden Geschehnisse. Alternativ prüfe ich, warum sich die Charaktere so sperrig aufführen. Ich kann aus Erfahrung sagen: Manchmal hilft es schon, wenn man einer Hauptfigur einfach nur einen anderen Beruf gibt, so geschehen bei meinem Spannungsroman „Der Duft von Nelken“. Da wurde aus der taffen Inhaberin eines erfolgreichen Unternehmens eine Kinderkrankenschwester und schon war das Hemmnis überwunden.
Was inspiriert Sie im Alltag?
Alles! Das Leben ist ein einziges herausforderndes Abenteuer mit einer Menge Höhen und Tiefen. Wir haben als Familie schon eine Menge Herausforderungen überwinden müssen oder stecken noch mittendrin. Um uns herum leben so viele wunderbar unterschiedliche Menschen, sie zu beobachten ist absolut spannend. Mir kam eine Romanidee bzw. eine einzelne Szene für eine Geschichte schon beim Wäsche aufhängen oder beim Anschauen eines Fotos, beim Hören eines Liedes oder im Gespräch mit Bekannten.
Welche Themen liegen Ihnen besonders am Herzen?
Wie schon gesagt, sind das Themen aus der Historie, aber ich nehme mir auch ganz alltägliche zwischenmenschliche Probleme vor, die ich den Figuren mitgebe und über die ich gemeinsam mit den Leserinnen und Lesern nachdenken möchte. Meine Bücher sollen in erster Linie unterhalten, aber ich behaupte einfach mal, dass sie auch auf persönlicher Ebene einen Mehrwert transportieren.
Welches Ihrer Bücher würden Sie neuen Leserinnen und Lesern zuerst empfehlen?
Das kommt ein wenig auf die individuellen Lesevorlieben des Einzelnen an. Wer spannende historische Romane mag, dem dürfte „Im Herzen die Freiheit“, die „Magd des Gutsherrn“ oder die oben erwähnte „Töchter der Freiheit“-Reihe gefallen. Für diejenigen, die Bücher lieber etwas leichter und mit einem Spritzer Humor mögen, empfehle ich „Liv – Neuanfang mit Hindernissen“, oder von Noa C. Walker die beiden „Die Frauen der Alabasterküste“-Bände. Ganz neu gibt es auch die nostalgische Hommage an Enid Blyton und Oliver Hassencamp „Neuanfänge auf Schloss Erlenhof“. Wer gern das Sub-Genre romantic-suspense liest – also Spannung mit einer Portion Romantik –, dem könnte die Wieland-Reihe von Noa C. Walker gefallen, von Elisabeth Büchle „Mehr als nur ein Traum“ oder „Im Schatten der Vergangenheit“.
Woran schreiben Sie aktuell und worauf können sich Ihre Leserinnen und Leser als nächstes freuen?
Mein aktuelles Projekt ist ein weiterer Spannungsroman, der im Frühjahr 2027 erscheinen wird. Dabei geht es um eine Frau, die nach dem Tod ihrer Mutter herausfindet, dass ihre Herkunft eine einzige Lüge ist. Sie versucht in Begleitung eines etwas undurchsichtigen Mannes Antworten zu finden, indem sie nach Finnisch-Lappland reist – genau in die Gefahr hinein.
Diesen Herbst gibt es einen kleinen Winterroman von mir, der in Grönland spielt und den Anfängen des bekannten und beliebten „Herrnhuter Sterns“ nachspürt, außerdem sind weitere „Schloss Erlenhof“-Bände geschrieben und werden nach und nach veröffentlicht.
Über alle Bücher der Autorin können Sie sich auch auf ihrer Website informieren unter Romane von Elisabeth Büchle, Noa C. Walker und Naima Hope